Die Geschichte von Matador

Johann Korbuly
Mit einem guten Spielzeug können wir das Kind fördern, seine Phantasie anregen und durch die hochwertige Beschäftigung zur Weiterentwicklung beitragen. Von dieser Voraussetzung dürfte auch der Eisenbahn-Ingenieur Johann Korbuly ausgegangen sein, als er seinen drei Buben zu Weihnachten einen Holzbaukasten schenkte. Die Freude war bei den jungen Baumeistern natürlich groß, noch größer aber, wenn die stolzen Bauten nicht ständig umfielen. Dabei genügte ja ein ganz leichter Stoß und all die Herrlichkeit purzelte über den Haufen.
 
Dadurch kam der Vater der auf den Gedanken, in die Holzwürfel Löcher zu  bohren und diese durch Holzstäbchen zu verbinden. Und dadurch war der Grundgedanke für die Herstellung der dann seit dem Jahre 1903 weltbekannt gewordenen „Matadorbaukästen“ geboren.
 
Ingenieur Korbuly dachte dabei nur an seine Kinder, erst Freunde mussten ihm raten, sich diese Idee patentieren zu lassen, da er das Patent sicherlich zu einem guten Preis verkaufen können wird. Doch musste auch er die bittere Erkenntnis der österreichischen Erfinder auskosten. Es fand sich kein Käufer. 

 

Dies war im Jahre 1901. Nach gründlichem Überlegen und genauer Durchstudierung entschloss sich Korbuly, selbst solche Baukästen herzustellen. 1903 war es soweit. In einer kleinen Werkstatt im 4. Wiener Bezirk wurde die erste Serie hergestellt, in der Wohnung war das Verkaufsgeschäft. Die ersten acht Jahre war der Vertrieb des „Matadorbaukastens“ ein reines Verlustgeschäft. Erst später kamen immer mehr Kunden und auch das große Geschäft mit dem Export lief an. Dadurch wurde der Weltruhm des Holzbaukastens „Matador“ begründet und eine Fabrik in Pfaffstätten gebaut.

Die Begeisterung kannte keine Grenzen, und „Bauklötze staunen“ wurde zum geflügelten Wort. Es gab Matadorkästen bereits für Kinder ab drei Jahren – nach oben waren die Grenzen fließend. Männer spielen bekanntlich oft ein Leben lang, und viele Väter schoben vor, ihren Kindern und Enkelkindern beim Zusammenbauen helfen zu müssen, um Erweiterungen anzuschaffen. Die Leidenschaft für den Kreativbau wurde durch Wettbewerbe und eine eigene „Matadorzeitung“ angeheizt und verbreitete sich auch nach Deutschland, Italien und in die Schweiz.

Es gab verschiedene Kastengrößen: beginnend mit der Nr. 00 über die Nr. 0, Nr. 1, Nr. 2, etc. bis zur Nr. 8. Um nicht einen kompletten, größeren Baukasten kaufen zu müssen, wenn die Möglichkeiten des bisherigen Baukastens nicht mehr ausreichten, gab es Ergänzungsbaukästen mit den Nr. 0a, Nr. 1a, etc., die jeweils einen Baukasten auf den nächst größeren Kasten aufrüsteten.
Neben diesem Aufbausystem gab es noch Spezialergänzungen, wie z.B.: „Zahnräder“ oder den „Getriebemotor“.

Zum Ende des 2. Weltkriegs brannte die Fabrik ab, wurde aber bald wieder aufgebaut. Schließlich wurde1978 Matador an Kurt Falk verkauft, der sich aus dem Tagesgeschäft der Kronenzeitung zurückzog. Er erstellte ein neues Konzept für Matador, so setzte er vermehrt Kunststoffteile anstatt Holzteile ein, produzierte Objektkästen anstatt Aufbaukästen und führte eine große Anzahl an objektgebundener Sonderteile ein. All diese Maßnahmen taten jedoch dem Charakter von Matador nicht gut. So wurde die Produktion 1987 stillgelegt. Erst im November 1996 entschloss sich Falk, die Marke und später auch die Maschinen an Ing. Mag. Michael Tobias zu verkaufen. Ganz neu in dieser Branche versuchte die Familie Tobias nun das ursprüngliche, lang bewährte (Ergänzungs)- Baukastensystem wieder zu entwickeln. Bereits im Frühjahr 1997 wurde mit der neuen Produktion begonnen, damals noch in Tschechien. Doch bereits wenige Monate später tat sich Herr Tobias mit der Tischlerei Diwald in Waidhofen an der Thaya zusammen, was sich bald als Glücksfall entpuppte. Denn Diwald`s Sohn ist Mikroelektroniker und modernisierte den Maschinenpark in Richtung Präzision und Automatisation. Heute liegt der österreichische Wertschöpfungsanteil an der gesamten Produktpalette bei ca. 97%. Die Hauptgründe für die Rückverlagerung der Produktion nach Österreich waren die Gewährleistung einer einheitlich guten Qualität, die größere Flexibilität in der Fertigung der verschiedenen Einzelteile und somit auch in der Gestaltung des Produktsortiments, sowie die Erhöhung der möglichen Produktionskapazität.

Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Tradition, des legendären. österreichischen Spielzeugs weiterzuführen und für die nächsten Generationen zu erhalten.

Eckdaten Geschichte:

1899: Erfindung von Matador durch Herrn Ing. Johann Korbuly
1901: Patentierung von Matador durch Ing. Johann Korbuly
1903: In einer kleinen Werkstatt im 4. Wiener Bezirk wird die erste Matador- Serie hergestellt
1915: Bau der Matador- Fabrik in Pfaffstätten
1945: Kurz nach dem 2. Weltkrieg brennt die Matador- Fabrik ab
1945-1946: Wiederaufbau der Fabrik
1950: Einführung der Matador Ki- Serie (für 2-5 Jährige)
1978: Verkauf von Matador an Herrn Kurt Falk
1979: Herr Falk erstellt ein neues Konzeptes: vermehrter Einsatz von Plastikteilen;
          Objektbaukästen statt Aufbaukastensystem etc.
1987: Abverkauf des Lagers und Einstellung der Produktion
1987-1997: keine Präsenz am Markt
1996: Ing. Mag. Michael Tobias kauft die Marke Matador
1996: Wiederentwicklung des lang bewährten Baukastensystems
1996: Vertrieb in Altlengbach
1997: Beginn der Produktion in Tschechien
1997: Ing. Mag. Michael Tobias kauft die Matador- Maschinen
1997: Verlagerung der Produktion nach Österreich (Waidhofen/Thaya)
ab 1998: 97% wird in Österreich produziert
2007: Übersiedlung des Firmensitzes nach St. Pölten